Industrieströme verarbeiten und wirtschaftlich nutzen

Branchen werden von den Abfallgebühren befreit und stärken die Nachhaltigkeit der Unternehmen, ohne dafür zahlen zu müssen. Die Vilokan Group behandelt, recycelt und verwertet Rohstoffe und erzielt durch den Weiterverkauf Gewinne. Die Kreislaufwirtschaft hat damit viele Gewinner. – Ich denke, dass der Preis für recycelte Produkte in naher Zukunft höher sein könnte als für neue Chemikalien, erklärt Geschäftsführer Lars Rosell.

Das 1987 gegründete schwedische Unternehmen Vilokan hat schon früh darauf hingewiesen, dass verunreinigtes Wasser und Wasserknappheit ein ernsthaftes Problem darstellen. Damals war das Interesse nicht besonders hoch, heute sieht das anders aus.

– Wir waren ein bisschen zu früh dran. Die etablierten Unternehmen lachten über uns und nur wenige nahmen das Problem der Wasserknappheit ernst. Nur weil es viel regnet, denken die Menschen, es gäbe genug Wasser. Heute ist das Bewusstsein viel größer, erklärt Lars Rosell, Geschäftsführer und Mitgründer des Cleantech-Unternehmens Vilokan.

Die Hauptaktivität des Unternehmens war damals das Recycling von Lösungsmitteln. Mit der gleichen Technologie behandelt Vilokan heute Wasser und recycelt verschiedene Arten von flüssigen Lösungsmitteln und chemischen Substanzen. Das Unternehmen richtet sich an die großen Industriezweige, vor allem die Automobil-, Pharma- und Maschinenbauindustrie, aber auch die Luftfahrtindustrie, in der große Mengen an Glykol verwendet werden.

Mit der Technologie von Vilokan können sowohl Enteisungsmittel als auch andere Abwässer vor Ort beim Kunden aufbereitet und recycelt werden, sodass kein Abwasser anfällt und ein geschlossenes System entsteht.

– Mehrere hundert Kunden haben mit unserer Hilfe bereits ihre Kreisläufe geschlossen. Wir bauen und betreiben eine Anlage auf dem Gelände des Kunden, in der das Wasser aufbereitet wird. Wir können wirtschaftlich tragfähig arbeiten, indem wir Zugang zu den Rohstoffen erhalten, die wir entweder zum Marktpreis an den Kunden oder an andere Unternehmen weiterverkaufen können.

Der Wind hat sich inzwischen gedreht, und sowohl die Kapitalgeber als auch die Industrie fordern einen geringeren Wasser- und CO2-Fußabdruck ihrer Geschäftstätigkeit.

– Das Kapital wird immer grüner und die Macht der Verbraucher ist stark. Die Banken verfügen über grüne Fonds, was sich auf den gesamten Markt auswirkt. Ist man als Unternehmen nicht nachhaltig, ist man einfach nicht mehr im Spiel.

Mit unserer Technologie können Wasser aufbereitet und Lösungsmittel recycelt werden. Indem wir die Rohstoffe nutzen, verhindern wir die Freisetzung von Schwermetallen und biologisch schwer abbaubaren Stoffen. Damit erhalten wir in einem technischen und nachhaltigen Kreislauf eine hohe Qualität aufrecht. Die Unternehmen können die Kosten für die Entsorgung einsparen und gleichzeitig ihren Wasserverbrauch und CO2-Fußabdruck erheblich senken.

Die Kunden zahlen für die Aufbereitung und das Recycling und müssen dafür kein Kapital in eine eigene Infrastruktur stecken. Ein wichtiger Kunde ist die Luftfahrtindustrie, die beim Besprühen von Flugzeugen zur Enteisung große Mengen an Glykol verwendet.

– Für ein einziges Flugzeug kann bis zu 1.000 Liter Glykol nötig sein, häufig mit einer Reihe von chemischen Zusätzen versetzt. Aber längst nicht alle Flughäfen entsorgen diese Mittel, erklärt Lars Rosell.

Da die Technologie als Dienstleistung angeboten wird, kann der Flughafenbetreiber umweltgefährdende Abfälle entsorgen, ohne Kapital in eine eigene Infrastruktur zu investieren. Insgesamt entfallen Schwertransporte und Vilokan kann ein Geschäft mit Glykol aufbauen, denn der Rohstoff wird international mit 10 bis 14 SEK pro Liter gehandelt.

Die Anlagen auf den Flughäfen von Swedavia dienen als Aushängeschild für den internationalen Markt, auf dem Nordamerika ein wichtiger Kunde ist.

– Wir haben viele laufende Projekte in Nordamerika. Verschiedene Flughäfen nehmen unsere Dienstleistungen in Anspruch. Wir haben jedoch auch Kunden aus der Mineral- und Pelletproduktion und der Lebensmittelindustrie, wo beispielsweise der Großkonzern Nestlé einer unserer Kunden ist.

Die Vilokan Group hat mehrere Standbeine, von denen die Kreislaufwirtschaft im Bereich Aufbereitung und Recycling ein Teil ist. Ein weiterer Teil des Konzerns ist die Fabrik in Borås, wo die überschüssigen Rohstoffe, die nicht direkt von den Kunden zurückgekauft wurden, verarbeitet, verpackt und an die Fahrzeug- und andere Industrien sowie Verbraucher weiterverkauft werden. Und genau hier erkennt Lars Rosell einen Richtungswechsel.

– In der Vergangenheit wurden recycelte Produkte mit einem geringeren Wert als neue Produkte verbunden. Dies ändert sich gerade. Viele Unternehmen sind verpflichtet, ihre Umweltauswirkungen zu reduzieren, und durch die Verwendung von Recyclingprodukten in ihrer Geschäftstätigkeit kann der CO2-Fußabdruck erheblich verringert werden. Man könnte sagen, dass sie Nachhaltigkeit für das Unternehmen einkaufen. Ich denke, dass der Preis für recycelte Produkte
in naher Zukunft höher sein könnte als für neue Chemikalien.

Text//Lisa von Garrelts, lisa@techarenan.com